Indonesien

Flammen bedrohen Steyler Waldprojekt

30.10.2015

2000 Feuer lodern derzeit auf den Inseln auf Sumatra und Borneo - ausgelöst durch illegale Brandrodung. Auch ein Wiederaufforstungsprojekt der Steyler Missionare ist in Gefahr. Die Ordensmänner helfen den Menschen vor Ort und fordern, Produkte der indonesischen Palmölindustrie zu boykottieren.

Brandrodung (wie hier am Amazonas) ist in Indonesien eigentlich verboten. Doch das stört die Landbesitzer wenig. Nun sind die Brände außer Kontrolle geraten. (Foto: SVD)zoom
Brandrodung (wie hier am Amazonas) ist in Indonesien eigentlich verboten. Doch das stört die Landbesitzer wenig. Nun sind die Brände außer Kontrolle geraten. (Foto: SVD)

Ein Drittel des indonesischen Territoriums ist in diesen Tagen in dicken gelben Nebel gehüllt. Ursache dafür sind Waldbrände, mit denen Plantagenbesitzer auf Sumatra und Borneo ihre Flächen abbrennen, um Raum für Anbaugebiete von Palmöl zu schaffen. Eigentlich sind diese Rodungen seit 1999 verboten. Doch das stört die Landbesitzer wenig. Umweltschützer sprechen bereits jetzt von einer der größten Umweltkatastrophen seit langem. Von der Luftverschmutzung sind über 40 Millionen Menschen in ganz Südostasien betroffen.^

Besonders in Gefahr sind jene, die im direkten Umfeld der Torffeuer leben. "Die Leute hier leiden täglich mehr unter dem dichten Dunst", sagt Pater Vitus Hari SVD, der die Paulusgemeinde der Steyler Missionare in Long Bentuk leitet. "Von Seiten der Regierung gibt es keine Hilfe und keinerlei Anweisung für die Menschen. Obwohl die Rauchschwaden immer dichter werden und man kaum mehr etwas sehen kann, sollen die Kinder weiter zur Schule gehen. Dabei müssten gerade Frauen und Kinder an sichere Orte gebracht werden."

Das "SVD Ecology Center", ein Wiederaufforstungsprojekt der Steyler Missionare in Kalimantan, ist von den aktuellen Bränden bedroht. (Foto: SVD)zoom
Das "SVD Ecology Center", ein Wiederaufforstungsprojekt der Steyler Missionare in Kalimantan, ist von den aktuellen Bränden bedroht. (Foto: SVD)

Das Steyler Ordenshaus in Palangkaraya, der Hauptstadt der Provinz Zentralkalimantan, ist zu einer Anlaufstelle für jene geworden, die besonders unter dem beißend giftigen Rauch leiden. Weil der Ausstoß von Kohlendioxid in Indonesien seit Tagen den der ganzen USA übertrifft, verteilen die Missionare Gesichtsmasken und Medikamente. "Einige lokale Nichtregierungsorganisationen und die Steyler Ordensschwestern unterstützen uns dabei", berichtet Pater Frans Lake, der Koordinator dieser Hilfsmaßnahmen.
Insbesondere sorgen sich die Steyler vor Ort um das "SVD Ecology Center", ein Wiederaufforstungsprojekt mit einer Größe von rund 30 Fußballfeldern. 

Gemeinsam mit den Dorfbewohnern von Long Bentuk haben die Missionare Tausende neuer Bäume gepflanzt - unter ihnen Kautschuk und Eisenholz, aber auch lokale Sorten wie Sengon, Kapur und Meranti. Die Steyler versuchen damit, der extremen Waldrodung auf der Insel Borneo Einhalt zu gebieten. Mitte des 19. Jahrhunderts waren noch 90 Prozent der Landfläche Borneos mit Wäldern bedeckt. Heute sind es nur noch knapp über 50 Prozent, der Lebensraum der letzten Orang Utans schrumpft zunehmend.

Pater Paul Rahmat, zentraler Koordinator für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung der Steyler Missionare in Indonesien, vor einer gerodeten Waldfläche in Kalimantan. Immer größere Areale müssen riesigen Palmölplantagen weichen, denn Palmöl findet weltweit reißenden Absatz. (Foto. SVD)
Pater Paul Rahmat, zentraler Koordinator für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung der Steyler Missionare in Indonesien, vor einer gerodeten Waldfläche in Kalimantan. Immer größere Areale müssen riesigen Palmölplantagen weichen, denn Palmöl findet weltweit reißenden Absatz. (Foto. SVD)

Nun ist das Projekt in Gefahr. "Einige der umliegenden Kautschuk-Plantagen stehen bereits in Flammen", sagt Pater Vitus Hari. "Unserem Projekt hat der wenige Regen, der letzte Woche gefallen ist, etwas Luft verschafft. Aber wir sind sehr besorgt, weil die Trockenzeit schon so lange anhält und die Brände noch immer außer Kontrolle sind." Die Feuer seien so schwer zu löschen, weil der Torfboden weiträumig und metertief glühe. Soldaten und Feuerwehrleute seien hoffnungslos überfordert.
Pater Paul Rahmat SVD, der zentrale Koordinator für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung der Steyler Missionare in Indonesien, geht derweil scharf mit den Palmöl-Unternehmen ins Gericht, auf deren illegale Rodungen die aktuelle Umweltkatastrophe zurückgeht. "Die Palmölplantagen expandieren jährlich um 520.000 Hektar - das entspricht kaum weniger als der Gesamtfläche der Insel Bali", kritisiert der Steyler Missionar. "25 Großkonzerne kontrollieren insgesamt 5,1 Millionen Hektar Land in Kalimantan und Sumatra. Diesem Umweltdesaster müssen wir ein Ende bereiten. Ich rufe deshalb alle Menschen weltweit auf, die Produkte der indonesischen Palmölindustrie zu boykottieren."

In einem aktuellen Video berichtet Pater Frans Sani Lake SVD von den Zuständen in Kalimantan.

Das gepresste Öl aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gehört zu den meistgenutzten pflanzlichen Ölen weltweit, weil es billig ist und vielseitig verwendet werden kann. Es steckt in Lebensmitteln wie Margarine, Brötchen und Fertiggerichten und in Hygieneprodukten wie Körperlotion, Sonnencreme und Lippenstift. Die stetige Nachfrage nach Palmöl hat dazu geführt, dass für seinen Anbau weltweit im großen Stil Tropenwälder gerodet werden. Die Europäische Union ist drittgrößter Importeur des Rohstoffs.

Markus Frädrich

Weiterführende Links

Sie möchten Pater Paul Rahmats Boykott-Aufruf unterstützen? 

Hier finden Sie eine Liste von Produkten, die kein Palmöl enthalten. Und auch auf dieser Webseite werden palmölfreie Alternative aufgezeigt. 

Der WWF hat in einem Bericht aufgelistet, welche deutschen Firmen zertifiziertes Palmöl benutzen und welche nicht.

Eine Online-Petition gegen Palmöl-Plantagen auf indonesischen Torfböden finden Sie hier.

Eine Fotostrecke zu den aktuellen Waldbränden in Indonesien finden Sie auf spiegel.de.

Melanie Pies-Kalkum

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